Der Fluss des Lebens: Warum sich Symptome wie Erschöpfung nicht nur in deinem Kopf abspielen.
- Sebastian Hofer

- 12. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Es ist Winter. Die Zeit des Wassers, der Ruhe, Einkehr und Innenschau. Tiefes Yin. Für manche genau deshalb eine herausfordernde Zeit und für manche atmet das ganze System auf; endlich Erholung!
Hast du dich schon mal gefragt, warum sich manche Tage deines Lebens anfühlen, als würdest du durch Sirup waten, während andere von einer kraftvollen Energie getragen werden? Ganz offensichtlich hängt das nicht alleine an unserer mentalen Einstellung, sondern ist körperlich spürbar und stark beeinflusst von dem Zustand des Autonomen Nervensystems. (Mehr dazu findest du hier). Ein weiteres, super spannendes Feld beginne ich gerade zu erforschen und in diesem Brief mag ich etwas darüber mit dir teilen. Ist dir bewusst, dass in jeder einzelnen deiner Zellen dynamische Organellen arbeiten, die darüber mitentscheiden, ob dein Stoffwechsel fließt oder stockt?
Die kleinen wundersamen Kraftwerke
Es geht um Mitochondrien. Diese dynamischen Zellorganellen sind mehr als "Kraftwerke der Zelle" - sie sind mit eigener DNA bakteriellen Ursprungs ausgestattet. Sie können sich bewegen, teilen, vernetzen und über biochemische Signale miteinander sowie mit der Zelle kommunizieren. Martin Picard, einer der führenden Mitochondrienforscher, zeigt: Sie bilden bilden dynamische Netzwerke, die auf hormonelle, metabolische und stressbedingte Signale reagieren und diese in biochemische und energetische Zellantworten übersetzen.
Sie sind die Schnittstelle zwischen deiner Umwelt und deinem Stoffwechsel. Wenn die mitochondriale Funktion optimal läuft, steht Energie zur Verfügung. Wenn diese Funktion beeinträchtigt ist, entstehen Erschöpfung, kognitive Einschränkungen, Antriebslosigkeit. (Wenn du mehr zu Mitochondrien lernen möchtest empfehle ich dir diesen Podcast.)

Wenn der Stoffwechsel aus dem Takt gerät
Damit Mitochondrien Energie produzieren können, brauchen sie unter anderem Häm – einen wichtigen Bestandteil der Atmungskette. Häm ist essenziell für die Energieproduktion in den Mitochondrien und für den Sauerstofftransport im Blut.
Hier kommt die Stoffwechselstörung HPU (Hämopyrrollaktamurie) ins Spiel bei der vermehrt Pyrrole ausgeschieden werden, die Zink, Vitamin B6 und Mangan binden. Dadurch kann weniger Häm gebildet werden. Das führt zu einem Mangel dieser Mikronährstoffe, die für zahlreiche enzymatische Prozesse essentiell sind. Die mitochondriale Energieproduktion und Entgiftungsfunktionen können dadurch beeinträchtigt werden.
Good news: HPU kann relativ einfach über einen Urin-Test diagnostiziert und dann entsprechend behandelt werden!
Typische Symptome: chronische Erschöpfung, Konzentrationsschwierigkeiten, Migräne, Hautprobleme (z.B. Neurodermitis & Akne), Reizdarmsyndrom. HPU wird außerdem gehäuft bei Neurodivergenz wie ADHS, Hochsensibilität und Autismus-Spektrum-Störungen beobachtet. Es ist eine biochemische Dysregulation, die den Stoffwechsel stark belasten kann.

Die unsichtbaren Narben der Vergangenheit
Doch woher kommt diese Stoffwechseldysregulation? Das ist natürlich wie so häufig multifaktoriell und daher will ich heute primär auf frühe Traumata (mehr dazu) gehen. Grob gesagt geht es dabei um überwältigende Erfahrungen, die das hoch sensible Nervensystem innerhalb der ersten 1000 Tage, inklusive der Zeit in der Gebärmutter machen musste und nicht verarbeiten konnte. Diese hinterlassen nicht nur psychische, sondern auch neurobiologische und metabolische Spuren. Die sogenannte globale hohe intensive Aktivierung (GHIA) im autonomen Nervensystem führt zu chronischer Stresshormonausschüttung, erhöhter Entzündungsaktivität und oxidativem Stress.
Genau hier schließt sich der Kreis: Diese chronische Stressaktivierung beeinträchtigt die mitochondriale Funktion und kann Entgiftungsprozesse, wie den HPU Stoffwechsel überfordern. Der ohnehin belastete Nährstoffhaushalt wird durch die traumabedingte Daueraktivierung zusätzlich beansprucht.
Trauma manifestiert sich somit nicht nur psychisch, sondern auch auf zellulärer Ebene. Die Erschöpfung hat eine biologische Grundlage. Die Antriebslosigkeit ist auch eine metabolische Reaktion. Die Ängste sind mit neurobiologischen Veränderungen verknüpft.
Wenn die Seele den Körper bremst
Depression, Antriebsprobleme, Ängste – sie alle haben eine neurobiochemische Komponente. Wenn die mitochondriale ATP-Produktion eingeschränkt ist, wenn durch HPU essentielle Cofaktoren für Neurotransmitter-Synthese fehlen, wenn das autonome Nervensystem durch chronische Stressaktivierung dysreguliert ist, sind die physiologischen Voraussetzungen für psychisches Wohlbefinden beeinträchtigt.
Depressive Symptome können auf mitochondriale Dysfunktion hinweisen. Angststörungen korrelieren mit anhaltender Sympathikusaktivierung. Antriebsmangel kann ein Signal für metabolische Erschöpfung sein.
Good News No2: Wenn wir z.B. durch Somatic Experiencing® lernen, das autonome Nervensystem zu regulieren, Nährstoffmängel ausgleichen und mitochondriale Funktion unterstützen, schaffen wir günstigere Bedingungen für psychische Gesundheit.

Die Einladung zum Erforschen
Was, wenn vieles von dem, was du über dich denkst – dass du "halt so bist", dass du "nicht belastbar genug" bist – eher auf traumatische, biochemische und neurobiologische Zusammenhänge zurückgeht? Was, wenn da Prozesse ablaufen, die verstanden und beeinflusst werden können?
Mitochondrien zeigen Neuroplastizität. Stoffwechselprozesse können ausgeglichen werden. Traumabedingte autonome Dysregulation kann über körperorientierte Ansätze reguliert werden. Du bist nicht defekt. Vielleicht läuft da nur etwas in dir ab, das nach Aufmerksamkeit und Unterstützung verlangt.
Wenn dieser Artikel mit dir resoniert und du beginnen möchtest zu forschen,
dann stehe ich dir in meiner Praxis für körperorientierte Psychotherapie gerne als Unterstützung zur Seite. Vereinbare dir gerne hier einen Termin für ein kostenloses Erstgespräch.